HUGO BLANCO,
DEEP RIVER

Ein Film von 
Malena Martínez Cabrera

Österreich, Peru 2019

Ein vielschichtiges und poetisches Porträt des „peruanischen Che Guevara.

Die Regisseurin begibt sich auf die Spuren des Guerilleros und überzeugten Trotzkisten in den 1960er-Jahren und trifft ihn 50 Jahre später als anonymen Aktivisten „Hugo Indio“ wieder.

#HUGOBLANCOFILM mit Deutschen Untertiteln

"Der peruanische Che Guevara – diesen Beinamen bekam ein Mann, der in den 1960er Jahren die Kämpfe der peruanischen Bauern gegen die Grundbesitzer anführte. Mit dem Slogan „Land oder Tod“ wurde in Peru ähnlich wie anderswo in Lateinamerika vor einem halben Jahrhundert der Funke des Aufstands gegen die soziale und wirtschaftliche Unterdrückung entzündet. Das Gesicht Hugo Blancos – eines charismatischen jungen Mannes mit schwarzem Vollbart, der die einheimischen Landbewohner anführte – schaffte es auf die Titelseite der Zeitungen, nachdem er wegen des Überfalls einer Polizeistation verhaftet wurde.
 
Fünfzig Jahre später trifft sich die Autorin dieses visuell eindrucksvollen Filmes mit dem legendären Guerilla-Anführer. Der schwarze Bart ist weiß geworden und die von Trotzki inspirierten jugendlichen Ansichten haben durch die Jahre im Gefängnis realistischere Konturen angenommen. All das änderte jedoch nichts an Hugos Entschlossenheit, sich jederzeit dem Kampf gegen Rechtlosigkeit und Ungerechtigkeit anzuschließen". 
One World Prague / Österreichisches Kulturforum Prag

Synopse

Ein Doppelporträt des legendären Anführers der Landbevölkerung und berühmten Trotzkisten Hugo Blanco, der in Europa als „peruanischer Che Guevara“ bekannt wurde. 
Während er sich zunächst für die Selbstverwaltung des Volkes einsetzte, wandelte er sich später  zu einem anonymen Aktivisten: „Hugo Indio“

Ausgehend von ihrem Besuch in jenem vergessenen Dschungeldorf, wo der Kampf und der Ruhm von Blanco ihren Anfang nahmen, macht sich die Filmemacherin auf die Suche nach den Spuren jenes jungen Mannes mit schwarzem Bart, der Gewehr an der Schulter und mit erhobener Faust rief “¡Tierra o Muerte!” („Land oder Tod!“). Dabei stößt sie auf die Ursprünge der indigenen Bauernbewegung.

Im zweiten Teil – lange nach dem peruanischen Bewaffnete Binnenkonflikt – lernt die Filmautorin den Jugendhelden ihres Vaters höchstpersönlich kennen: ein immer noch unermüdlicher Aktivist mit mittlerweile weißem Bart, der die indigenen Dörfer am Land bei der Verteidigung ihrer Umwelt unterstützt.

Der Film besteht aus zwei Teilen, unterbrochen durch eine Trauerminute im Gedenken an die zehntausenden peruanischen Indigenen, deren Blut die Flüsse rot färbte, als sich der idealistische Traum einer ganzen Generation in einen Albtraum verwandelt hatte: der Traum der „bewaffneten Revolution“. Zugleich ist der Film ein Minenfeld an unterschwelligen Ton- und Bildspuren, die auf das kollektive Trauma verweisen, das Peru zu Ende des 20. Jahrhunderts spaltete.

Foto: Martin Bauer / Hugo Blanco und Malena Martínez am Karl Marx Hof in Wien. 

Technische Informationen

Originaltitel
HUGO BLANCO, RÍO PROFUNDO

Englischer Titel 
HUGO BLANCO, DEEP RIVER

Produktionsland: Österreich, Peru 2019

Dauer: 108 Minuten

Sprachen: Spanisch, Quechua

Untertitel:
Deutsch, Spanisch, Englisch, Französisch
Format: 
HD 16:9 Farbe. Dolby stereo 5.1 / 1:85


Weltpremiere 2019
One World International Documentary Film Festival. International Competition. Prag.

Österreichische Premiere
This Human World International Film Festival. Austrian Selection. 2019

Nordamerikanische Premiere
Official Selection. ImagineNATIVE, Toronto. 2019

Lateinamerikanische Premiere
Festival de Cine de Lima 2019

Team 


Malena Martínez (Regie, Produktion, Kamera, Schnitt)
Gustavo Schiaffino (Hauptkamera)
Carlos Sánchez Giraldo (Kamera)  
Omar Mustafá (Sounddesign, Kamera, Ton) 
Alexandra Wedenig (Schnitt)
Aureliano Lecca (Kamera),
Guido Deniro (Sounddesign) 
Carlos Pino (zusätzlicher Sound) 

Projektentwicklung 
Archidoc (MEDIA, La Fémis).

Herstellungsfonds: 
Bundeskanzleramt Österreich

Verbreitungsfond in Peru: 
Kulturministerium von Peru

Malena Martínez Cabrera

Peruanische Filmemacherin, Photographin, Kulturredakteurin.
2007 Master Kreativer Dokumentarfilm, Universität Pompeu Fabra, Barcelona; 2006 Magister der Romanistik, Universität Wien; 
1999 Literatur- und Sprachwissenschaft, Universidad Católica, Peru.

2021 Flaherty Seminar Fellow, New York. 2014/15 Archidoc, La Fémis, Paris. 2014/15 Schule der künstlerischen Fotografie Friedl Kubelka, Wien; 2015 FC Gloria Mentoring-Programm, Mentée von Regisseurin Ruth Beckermann; 2009 Aristoteles Workshop, Arte TV, Rumänien; 2009 Cinematography Workshop, ESCAC, Barcelona.

Mitglied bei Dok.at und FC Gloria

Filmographie

2019 Hugo Blanco, Deep River 
2009 Felipe, come back (67')
        

SHORTS 

2017  Arcane (1’14’’) 3.Prize. Das Gute Leben. Filmarchiv Austria. 
2017  Cinco trotskistas y Hugo Blanco (6’13’’) 
2016  Diálogos que son monólogos (2’)   
2015  Archetyp (1’15'')
2014  Hugo Blanco y el periódico Lucha Indígena (15’)
2002  Ramiro in Wien (10') Special mention. Shorts on screen. ORF.

Film Reviews

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Hugo Blanco, Río Profundo bei Cinelatino Tübingen
Thomas Rahmann / Wuesste Welle 6/21

Im Dokumentarfilm geht es um Hugo Blanco, der trotzkistischer Politiker und Guerilla-Kämpfer in Peru war. Tiefe Einblicke in sein Denken und Schaffen bieten sich den Hörer*innen sowie ein geschichtlicher Anriss der Situation in Peru vor, während und nach den Bauernkämpfen und der Agrarreform.

Bis auf den Bart stellt Hugo Blanco nicht das Bild dar, womit hierzulande viele vermutlich einen Revolutionär verknüpfen. Auch wenn er sich seiner Rolle wohl durchaus bewusst ist, stellt er in einer Rede, die er 50 Jahre nach den Kämpfen um die Agrarreform am selben Ort hält nüchtern fest, dass der Personenkult um ihn mehr oder weniger ein Trend unserer Zeit sei. In einer hierarchischen Gesellschaft würden eben Individuen besonders gefeiert, deswegen sehe man sein Gesicht statt dem der gesamten Bauernbewegung. Als die Agrarreform allerdings zu einem erfolgreichen Abschluss kam, sei er schon im Gefängnis gewesen.
Hugo Blanco hat überlebt - und ist auch heute noch aktiv. Wäre er gestorben, hätte man ihn vermutlich zum Revolutions-Märtyrer gemacht, so kann er selbst sprechen und jeglichen verklärten Bildern über Revolutions-Romantiken entgegentreten. Nicht, dass er gegen eine soziale Revolution wäre, im Gegenteil. Aber die muss von der Gemeinschaft selbst ausgehen, nicht von irgendwelchen Einzelnen oder avantgardistischen Gruppen, die meinten Peru retten zu können und zu müssen. 

*

AUDIOREZENSION von Filmtage-tuebingen.de hören
WÜSTE WELLE (6'43'')

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 Perus vergessene Geschichte

Anna Egger / Jugendportal Österreich 12/19

"Wo ist die Geschichte? Über kollektives Vergessen

Die Indigenen fingen an sich zu organisieren und zu wehren, Hugo Blanco führte die Quechua-Bauernaufstände in der Region Cuzco an. Doch diese Aufstände, die zur Agrarreform 1969 führten, bleiben gerne unerwähnt. „Nach der Recherche in den Archiven bemerkte ich, dass, während die Figur des Hugo Blanco sehr wohl visuell festgeschrieben war, die Bilder der ersten Aktivitäten der indigenen Bewegung zur gerechten Landverteilung in Vergessenheit geraten waren“, erzählt Cabrera auf Facebook. Offiziell beginnt die Geschichte der Agrarreform vor 50 Jahren, als die Militärregierung endlich veranlasste, das Land gerecht zu verteilen.

Ein historischer Abstecher – Der leuchtende Pfad

Vielleicht ist es die Angst vor der „roten“ Wut, die HistorikerInnen bisher davon abgehalten hat, diese Ereignisse zu thematisieren. Immerhin, Peru hat mit dem Bürgerkrieg von 1980 – 2000 ein Trauma erlitten. In diesen Jahren terrorisierte die maoistische Gruppe „leuchtender Pfad“ das Land". Mehr lesen 


Motivationsschreiben der Regisseurin

Meine Kindheit und Jugend in Peru waren von einer brutalen bewaffnete Konfrontation (1980-2000) geprägt. Die Antwort auf den Terror des „Sendero Luminoso“ („Leuchtender Pfad“) war brutale militärische Repression. Diesem Kreuzfeuer fielen vor allem die am stärksten marginalisierten und vergessenen Bevölkerungsgruppen Perus zum Opfer: Zehntausende Indigene Bauern, die durch unseren Rassismus seit jeher von der Bildfläche verschwunden schienen. 
Das erfahrene Trauma und die erlebte Manipulation waren so gewaltig, dass bis heute ein Großteil der Peruaner jeden noch so geringen sozialistischen Impuls mit einer neuerlichen Bedrohung durch Terrorismus gleichsetzen. Der Begriff der Revolution wird noch immer zwiespältig gedeutet. Das paradoxe Image von Hugo Blanco, der von den Menschen idealisiert, von den Medien scharf kritisiert und vom eigenen Land letzten Endes ignoriert wurde, ist symptomatisch dafür, wie unser kollektives Gedächtnis funktioniert.

Nach der Recherche in den Archiven bemerkte ich, dass, während die Figur des Hugo Blanco sehr wohl visuell festgeschrieben war, die Bilder der ersten Aktivitäten der indigenen Bewegung zur gerechten Landverteilung in Vergessenheit geraten waren. Die Geschichte der Agrarreform, der größte Katalysator des modernen Peru, die heute vor 50 Jahren durchgeführt wurde, beginnt offiziell mit dem Erlass des entsprechenden Gesetzes durch die Militärregierung. In jedem Jahrhundert wieder wird der bisherige politische Aktivismus der indigenen Bevölkerung wie schon zuvor in die Unsichtbarkeit gedrängt oder kriminalisiert.

Da wurde mir klar, dass mein Dokumentarfilm diese Schwäche und Doppelbödigkeit unseres Gedächtnisses aufzeigen müsse. Meine wahrscheinlich größte Herausforderung als Drehbuchautorin war es, nicht darauf zu verzichten, eine Anti-Geschichte zu entwerfen – „die Geschichte gegen den Strich bürsten" (W. Benjamin, 1995), trotz aller Erwartungen und Ratschläge, ich möge doch eine traditionelle Heldenstory verfassen, wenn es schon um eine derart charismatische Persönlichkeit geht.

Hugo Blanco arbeitet auch heute noch daran, sowohl den Mythos rund um seine eigene Person als auch das messianische Image des Guerilleros zu dekonstruieren und setzt sich weiterhin für eine Selbstverwaltung des Volkes ein, welche ohne Anführer auskommt. Er versucht, den Fokus der Erzählung auf das vergangene und gegenwärtige Epos der Quechua Bevölkerung zu richten, das schon einmal im Schatten des revolutionären Imaginariums stand, nicht nur in Peru, sondern auf der ganzen Welt.

Mein Ziel, einen Film zu machen, der nicht nur „über" die Figur, sondern auch in ihrem Geist erzählten sollte, bedeutet für mich auch die in Vergessenheit geratenen kollektiven Kämpfe der Indigenen anhand seiner Figur wieder in Erinnerung zu rufen. Dieses Wissen wieder bewußt zu machen, ist weltweit notwendig angesichts der essenziellen Rolle, welche den indigenen Völkern bei der Wiederherstellung unserer Verbundenheit mit der Natur zukommt und angesichts der Tatsache, dass in Lateinamerika noch immer zahlreiche Sozial- und Umweltaktivisten ermordet und oft kriminalisiert werden.

In diesem Film arbeite ich auf auditiver und visueller Ebene mit unterschwelligen Elementen, die an unsere nationalen Tabus appellieren. Ich fürchte, mein Land, Peru, wird seinen Weg zur so herbeigesehnten nationalen Versöhnung nicht finden und die tiefen Wunden in unserem historischen Gedächtnis werden nicht heilen, wenn wir es nicht wagen, die Grenzen und Schatten, die in unserem kollektiven Unbewussten gesät wurden, zu überschreiten.


Malena Martínez Cabrera, 2015/2019

Herzlichen Dank für die Übersetzung an Mag. Petra Reitboeck

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